Das ehemalige Hochofenwerk Franzenshütte und seine technikgeschichtlich bedeutenden Anlagen

Zur Geschichte der Hüttenanlagen in Bundschuh

Bergbau auf Eisenerz und seine Verhüttung in Bundschuh lassen sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Gewerken Jocher hier die Eisenerzeugung aufgenommen haben. Allerdings war dem Schmelzbetrieb wenig Erfolg beschieden, so daß die Hütte oft sowohl den Eigentümer wechselte als auch längere Zeit stillstand. Um 1750 konnte das Bundschuher Werk auf Initiative des landesfürstlichen Kommissärs K. v. Schnedizeni die Produktion wieder aufnehmen, da nun Erze aus den Bergbauen Schönfeld und Altenberg (im kärntnerisch-salzburgischen Grenzgebiet) in größeren Mengen zur Verfügung standen.´ Die Bundschuher Anlagen gelangten im Jahre 1815 an die "Lungauer Eisengewerkschaft" in St.Andrä i. Lg., die G. Thaller, Drahtzieher und Nagelschmied in Mauterndorf, 1832 ersteigerte.

Der bald darauf von Graf Welsberg erworbene Werkskomplex - Bergbaue und Hochofen in Bundschuh sowie das Eisenwerk in Mauterndorf - wurde 1839 an die steirischen Gewerken Franz X. Neuper (1796-1866) und Joseph Pesendorfer (1791-1856) verkauft. Die Bundschuher Hütte war in den 50er Jahren bereits veraltet und baufällig, washalb F.X.Neuper und J. Pesendorfers Erben 1862 mit dem Bau eines zeitgemäßen Holzkohleofens begannen. Als Standort für die neue Hütte - "Franzenshütte" wählte man einen Platz unterhalb der alten Anlage, die während des Neubaues angeblich fallweise noch Roheisen erzeugte. Die Lungauer Gewerkschaft hatte unter der Wirtschaftskrise der frühen sechziger Jahre sehr zu leiden; laut einem amtlichen Bericht für 1864 haben sich ,,... für die Zukunft dieses Werkes, welches im Begriffe stand, den Bau eines neuen Hochofens mit einem Kostenaufwande von mehr als 60000 fl zu beenden, trübe Aussichten eröffnet, da die hohen Gestehungskosten der Erze und des Brennstoffes eine Konkurrenz mit den benachbarten steirischen Werken ungemein erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen." Im Jahre 1867 konnte der Hochofen in Bundschuh endlich angeblasen werden, jedoch fanden jeweils nur kurze Schmelzkampagnen statt, "... weil für einen stärkeren und kontinuierlichen Betrieb der Brennstoff mangelt". Außerdem verursachte der hohe Schwefelgehalt und der geringe Eisengehalt der Erze Schwierigkeiten, die sich u.a. im hohen Holzkohlenverbrauch äußerten. Die bescheidenen Betriebsergebnisse des Bundschuher Hochofens erzwangen schließlich 1885 seine Stillegung. Im Jahre 1892 kaufte Wilhelm Pick sowohl die Berg- und Hüttenanlagen als auch andere Neuperschen Liegenschaften in Bundschuh. Um die Jahrhundertwende ging der Besitz an Karl Alexander Grafen Lambert über, der 1901 Bergbau und Hütte an die Fa. Joh. E. Bleckmann´s Phönix-Stahlwerke in Mürzzuschlag (Steiermark) verpachtete.

1900

Dieses auf Edelstahl ausgerichtete Unternehmen erzeugte von 1901 bis 1903 in Bundschuh nochmals Roheisen, löste aber bei Ende der letzten Schmelzkampagne den Pachtvertrag. Seit 1925 befindet sich die Herrschaft Ramingstein-Bundschuh in Schwarzenbergischem Eigentum.

Nach endgültiger Auflassung der Roheisenproduktion verfiel das landschaftlich schön gelegene Eisenwerk immer mehr, so daß sein gänzlicher Verlust zu befürchten war. Erst 1974 bildete sich der "Verein zur Erhaltung der Schmelzanlage Bundschuh", der sowohl das Gebläsehaus als auch den Ofenstock nach Abtragen des ruinösen Hüttengebäudes restaurieren konnte. Das Gebläsehaus ist als Museum des Bundschuher Bergbau- und Hüttenbetriebes eingerichtet worden; die Eröffnung fand 1984 statt.

Dipl.Ing.Dr. H.J. Köstler

Kurzinformation
Winderhitzer

Infomenü
zurück zur Überschrift