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Die ehemalige Roheisenerzeugung
in Bundschuh und erhaltene Anlagen
Winderhitzer
(Bild - Exponate)
Als Erfinder der Winderhitzung,
d.h. der Vorwärmung der Verbrennungsluft für metallurgische Öfen
- im besonderen für Hochöfen - gilt der Engländer J.B.Neilson (1792-1865),
der 1828 ein Patent auf einen rekuperativen Winderhitzer mit Rostfeuerung
erhalten hatte. Ein Jahr danach konstruierte Neilson für die Hochofenwinderhitzung
den "Zwillingsröhrenapparat, an dessen Prinzip sich bis zur Ablösung
durch den keramischen (regenerativen) Winderhitzer nichts mehr änderte.
Dieser Apparat setzte sich aus zwei horizontalen Rohren und damit
verbundenen halbkreisförmigen Rohren zusammen, durch welche der
Wind von einem Horizontalrohr zum anderen strömte; das Rohrsystem
war in einen gemauerten Feuerungsraum mit unten angeordnetem Rost
eingebaut, wobei die heißen Abgase die Rohre umspülten. Zwecks Vergrößerung
der Wärmeaustauschfläche und Verbesserung der Strömungsbedingungen
entwickelte Neilson bald "Hosenrohre" (zwei gerade Schenkel mit
Halbkreis-Verbindungsstück aus Gußeisen), blieb jedoch bei der herkömmlichen
Rostfeuerung. Im allgemeinen nannte man solche Geräte auf dem Kontinent
"Schottische Winderhitzer". Die Verwendung von Gichtgas für die
Winderhitzung geht im wesentlichen auf den Württemberger A.C.W.
Faber du Faur (1786-1855) zurück, der 1832 auf der Gicht des Hochofens
in Wasseralfingen einen Wärmeaustauscher mit Schlangenrohren in
Betrieb genommen hat. Obwohl der "Wasseralfinger Apparat" weite
Verbreitung gefunden hat, erreichte er die Bedeutung des Hosenrohr-Apparates
nicht, der sich auch in der österreichischen Eisenindustrie durchsetzen
vermochte. Die Winderhitzung war in Österreich sehr bald aufgegriffen
worden, denn schon 1836 bliesen die Hochöfen in Jenbach und in Kiefer
(Tirol) sowie in Ebenstein (Kärnten) mit vorgewärmtem Wind; die
Hütten in Flachau und in Dienten (Salzburg) sowie in Turrach (Steiermark)
folgten 1836/37 bzw. 1838. Eine neue Ära der Hochofen-Winderhitzung
begann mit dem F.Siemens´schen Regenerativprinzip bzw. mit dem von
E.A.Cowper (1819-1893) geschaffenen Winderhitzer. Cowper meldete
1856 ein Patent an, in dem er sowohl die Art von Wärmespeicherung
und -abgabe als auch die Beheizung mit Gichtgas oder Gasen aus anderen
Öfen beschrieb. Die auch von F.Siemens geschätzte Erfindung Cowpers
erwies sich aber als sehr störungsanfällig, weil sich die engen
Kanäle des Steinbesatzes oft verlegten und dieser schnell verschlackte.
Durch andere Ausbildung der Strömungskanäle begegnete T. Whitwell
um 1867 diesen Problemen so erfolgreich, daß der Cowper´sche Winderhitzer
zunächst in den Hintergrund geriet. Schließlich führten laufende
Verbesserungen z.B. Verlegung des Brennschachtes an den Rand des
Besatzes, zum Durchbruch des von Cowper entwickelten Apparates,
während Whitwell´sche und rekuperative Hochofen-Winderhitzer zusehends
an Bedeutung verloren und seit dem ausgehenden 19.Jahrhunder nicht
mehr gebaut wurden. Der Bundschuher Winderhitzer steht auf der Hüttensohle
zwischen Gebläsehaus und Hochofen, in dessen südöstlicher Mauer
oben ein Rohrstutzen der Gichtgasleitung zum Gasreiniger bzw. zum
Feuerungsraum des Winderhitzers vorhanden ist. (Das Gichstgas wurde
im obersten Teil des Hochofenschachtes, in dem ein Blechzylinder
eingehängt war, abgezogen. Der ca. 4,4m hohe Winderhitzer setzt
sich aus zwei waagrechten Rohren für den Kaltwind bzw. den Heißwind
sowie aus zwei Gruppen von je vier U-Rohren und aus vier Verbindungskästen
zusammen; alle Rohre, Flansche usw. bestehen aus Gußeisen. Vom Gebläse
aus strömte der Wind in das vorne angeschlossene Kaltwindrohr, verteilte
sich auf die vier rechten U-Rohre und gelangte sodann durch die
zweite Gruppe U-Rohre in das hinten zugeflanschte Heißwindrohr,
welches die Windleitung zu den drei Blasformen beaufschlagte. Die
heißen Verbrennungsgase (des Gichtgasses) gaben den Großteil ihrer
Wärme an die im (nicht mehr vorhandenen) Feuerungsraum stehenden
U-Rohre bzw. an den sie durchstömenden Wind ab, der sich dabei auf
300-400 Grad Celsius erwärmte. Der Bundschuher Winderhitzer dürfte
zu Beginn der siebziger Jahre, die ein gewisser Aufschwung in der
Eisenindustrie kennzeichnet, oder schon während der Erbauungszeit
des Hochofens (1862-1864/65) errichtet worden sein, als die steigenden
Kosten der Holzkohle wirksame Maßnahmen zur Senkung des Brennstoffverbrauches
erforderten. Eigenartigerweise wurde der Winderhitzer nach Auflassung
der Roheisenerzeugung nicht wie die übrige Ausrüstung verschrottet.
Er geriet offenbar bald in Vergessenheit und blieb so - teils von
Mauernschutt bedeckt - in gutem Zustand erhalten, weshalb eine durchgreifende
Restaurierung derzeit nicht notwendig erscheint. Bei dem seit längerem
freigelegten Bundschuher Winderhitzer handelt es sich wahrscheinlich
um das einzige Gerät "Schottischer" Bauart zumindest im deutschsprachigen
Raum. Das Verweserhaus (heute Forsthaus) und ein ehemaliges Gasthaus
(heute Hegerhaus) runden das Ensemble "Franzenshütte" in Bundschuh
ab, so daß man einen guten Einblick in Aufbau und Arbeitsweise eines
alten Schmelzwerkes gewinnt.
Dr. Hans Jörg Köstler
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